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Focus mit dem Chefredakteur Robert Schoblick von telekom praxis (German version)

Robert Schoblick
Robert Schoblick
Focus-Interview mit Robert Schoblick (Chefredakteur telekom praxis)

telekom praxis ist eine Fachzeitschrift für elektronische Kommunikation und informiert über die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik.

Wir haben Chefredakteur Robert Schoblick gebeten, uns mehr über die Publikation und seine Leserschaft in unserem FeaturesExec Focus-Interview zu erzählen.

Über die Publikation:


Was unterscheidet telekom praxis von anderen Publikationen in Ihrem Bereich
Die telekom praxis wendet sich an Fachleute aus der ITK-Branche. Das Magazin will sowohl über sinnvolle Einsatzmöglichkeiten als auch über technische Hintergründe der neuen Informations- und Kommunikationsmedien informieren. Wir organisieren die Hefte deshalb nach Schwerpunktthemen, um dem Leser eine breite Informationsbasis für exakt dieses Themengebiet zu vermitteln. Hier unterscheiden wir uns von anderen Magazinen dadurch, dass auch Raum für Kontroversen - beispielsweise unterschiedliche Meinungen der Autoren, die jeweils eigene Interessen vertreten - bleibt. Ein Thema wird also nicht auf drei Seiten "angeschnitten", sondern im Heft vertiefend diskutiert. Die telekom praxis leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Objektivität des technischen Fachjournalismus allgemein.

Was war der bisherige Höhepunkt in der Geschichte von telecom praxis?
Die telekom praxis steht für Objektivität und sucht nicht "die" Sensation. So wäre es vermessen, von Höhepunkten zu sprechen. Allerdings hat die telekom praxis eine mehr als 80 jährige - sehr lebhafte - Geschichte. Das Blatt wurde einst - im Jahr 1921 - von Carl Westphal als "Telegrafen-Praxis" ins Leben gerufen. Das Magazin - später in "fernmelde praxis" umbenannt - war dann lange Jahre - abgesehen von einer durch den zweiten Weltkrieg bedingten Erscheinungspause - das fernmeldetechnische "Hausblatt" der Deutschen Bundespost. Nach der Liberalisierung der TK-Märkte und dem Wegfall der Monopole löste sich auch das nunmehr als "telekom praxis" erscheinende Magazin von dem Monopolisten vollständig. Ein entscheidender Höhepunkt ist also für dieses Magazin zweifellos die flexible und vor allem konsequente Umorientierung zu einem freien und offenen Leserkreis. Diese Ambition wurde vom Eigentümer der telekom praxis, dem Fachverlag Schiele & Schön, in Berlin nicht zuletzt redaktionelle Gestaltung im Jahr 2004 einem unabhägigen Redaktionsbüro übertragen wurde.

Stellen Sie eine Themenvorschau zur Verfügung? Warum? Warum nicht?
Selbstverständlich gibt es für die telekom praxis eine Themenvorschau. Zum Einen sind hier die Mediadaten zu nennen, die frei aus dem Internet herunter geladen oder direkt beim Verlag oder über die Redaktion angefordert werden können. Darüber hinaus weisen wir auch in jedem Heft auf die wichtigsten Themenschwerpunkte der kommenden Ausgabe hin. Eine Themenvorschau ist aus unserer Sicht sehr wichtig. Sie soll nicht nur Leser und Anzeigenkunden auf die kommenden Hefte aufmerksam machen, sondern natürlich auch den Leser motivieren, mit Fragen und Anregungen, die wir gerne auch an die Autoren weiterleiten, an der Gestaltung des Magazins beizutragen. Die telekom praxis ist schließlich in erster Linie ein Magazin für die Leser und (Tele)Kommunikation steht für uns auch im Dialog mit unseren Lesern im Vordergrund.



Über PR-Verantwortliche:


Arbeiten Sie eng mit PR-Leuten zusammen, oder bevorzugen Sie es, diese auf Distanz zu halten?
Wir arbeiten selbstverständlich auch mit PR-Agenturen und ITK-Unternehmen direkt zusammen. Allerdings gehört die telekom praxis mittlerweile zu den sehr wenigen Fachmagazinen, die auch von der Redaktion bezahlte freie Autoren beschäftigt, die unabhängig von Unternehmen aus der Branche sind. In Zeiten kurzer Innovationszyklen ist es nur verständlich, dass elementares Know how direkt aus der Industrie kommen muss, wo die aktuellen Systeme auch entwickelt und zur Marktreife gebracht werden. Obwohl Unternehmen und PR-Agenturen selbstverständlich - dies liegt in der Natur ihrer Aufgaben - mit einem Fachbeitrag in erster Linie ein positives Image darstellen und natürlich für sich und das eigene Produkt werben wollen, haben die meisten Vertreter der PR-Branche in kurzer Zeit unsere Anforderungen an die Beiträge akzeptiert und sogar als Vorteil erkannt. Wir behalten uns stets vor, zu "PR-lastige" Beiträge abzulehnen und Passagen mit auffallend offensiven Nennungen des Produktes umzuformulieren und zu streichen. Dies läuft in einem sehr kooperativen Stil zwischen uns und den Agenturen ab, was letztlich gute Beiträge aus der vollen Branchenbreite zur (positiven) Folge hat. Das ist sowohl für die Leser als auch für die Autoren bzw. die dahinter stehenden Unternehmen eine "Win-Win-Situation": Der Leser bekommt echtes Know-how "von der Quelle" und keine Werbung (diese steckt in als solche deklarierten und entsprechend bezahlten Anzeigen). Ein Unternehmen kann durch einen guten Fachbeitrag mit Kompetenz überzeugen und sich damit vor Kunden und Geschäftspartnern eine positive Reputation verschaffen.

Haben Sie irgendwelche Ratschläge für PR-Leute?
Die meisten Agenturen arbeiten sehr professionell und bewerten das über sie an die Medien gelieferte Material sehr gewissenhaft. Sie sind somit sowohl für uns Journalisten als auch für ihre Kunden ein idealer Partner hinsichtlich der Pressearbeit. Leider nimmt aber auch die Zahl von Agenturen zu, die Kunden offensichtlich mit "Minimal-Budgets" locken wollen. Auch nimmt die Zahl von Agenturen zu, wo oftmals fehlende Erfahrungen in der PR-Arbeit zu erkennen ist. Das zeigt sich in verspäteter Lieferung versprochener Beiträge oder totalen Ausfällen. Sehr zu bemängeln ist der Trend, kaum brauchbare Illustrationen zu liefern. Eine professionelle Kommunikationslösung kann man eben nicht mit einem "Packshot" der Software in der Öffentlichkeit beschreiben. Technisch versierte Leser erwarten Schaubilder und Diagramme, aus denen sie die Form der Implemtierung ableiten und den eigenen Nutzen erkennen können. Steht Illustrationsmaterial zur Verfügung, so eignet es sich oftmals nicht für das Printmedium, weil die Auflösung zu gering oder die Kompression zu hoch ist. Unser Rat an PR-Agenturen ist deshalb, nicht "Low-Cost"-PR zu erzwingen. Mit gutem Bildmaterial und hervorragend recherchierten Fachbeiträgen klappt nicht nur die Zusammenarbeit mit den Medien, sondern auch der Nutzwert beim Leser - dem potenziellen Kunden - wird optimiert. Nun sind PR-Experten nicht immer Techniker, so empfehlen wir die Delegation der Verfassung fachlich tiefgründiger Texte an freie Autoren mit einschlägiger Erfahrung. Eine leider heute oft zu erkennende "Geiz-ist-geil"-Mentalität schadet der gesamten Branche!

Welche Informationen oder Anregungen von PR-Leuten ist für Sie von Nutzen?
PR-Experten liefern mit von ihnen organisierten Presseveranstaltungen ein hervorragendes Forum, um persönlich mit Experten aus der Branche Kontakte aufzubauen. Presseinformationen können zwar in den meisten Fällen nicht gedruckt werden, stellen aber eine wichtige Quelle für Journalisten dar, Themen für künftige Publikationen zu planen. Für unser Magazin sind in erster Linie Informationen zu technischen Entwicklungen und zu System-Implementierungen interessant. Auch Erfahrungsberichte stellen für uns einen guten Rechercheansatz dar.



Über Sie:


Was beinhaltet Ihr Job?
Natürlich beinhaltet der Job als Chefredakteur eines Fachmagazins sehr viel Arbeit "am Papier": Beiträge werden definiert und in Auftrag gegeben, nach Erhalt redigiert und die Druckfahnen nach Rücksprache mit den Autoren an die vereinbarten Volumina angepasst. Dies ist der "mechanische" Teil des Berufs. In Wirklichkeit steckt jedoch sehr viel mehr dahinter, was mit der Verantwortung gegenüber einer ganzen Branche und den in dieser Branche beschäftigten Mitarbeitern den stärksten Ausdruck findet. Viele gute Ideen und auch Unternehmen, die hinter diesen Ideen stecken sind in den vergangenen Jahren untergegangen, weil der Ansatz nie bekannt wurde und öffentlich diskutiert werden konnte. Es geht für einen Redakteur eines TK-Fachmagazins nicht nur darum, selbst zu kommunizieren, sondern insbesondere den Lesern zu zeigen, wie sich die Kommunikationstechnik heute entwickelt und welche Chancen diese Technologie heute bietet. Nur mit breiter Information kann sich eine Technologie durchsetzen und letztlich auch zum Nutzen aller in der Gesellschaft etablieren. Informieren heißt aber nicht werben! Deshalb wird die telekom praxis auch stets kritische Töne anschlagen, wenn es zum Beispiel um Fragen der Sicherheit und des Datenschutzes geht. Als Chefredakteur sehe ich eine klare Verantwortung gegenüber der Branche und den Lesern, die in den letzten Jahrzehnten erkämpften Werte zu stärken und diesbezüglich das Bewustsein der Leser und Hersteller zu stärken, dies beim Einsatz der ITK-Technik zu berücksichtigen. Ich will ein Beispiel bringen: Die RFID-Technologie wurde von Datenschützern geächtet, teilweise sogar mit fachlich unhaltbaren Argumenten. Eine gute Publikation weist auf Risiken hin, die durch missbräuchlichen Einsatz in der Tat bestehen, sucht nach Lösungen, diese Risiken zu minimieren und stellt letztlich den zweckdienlichen (!) Nutzen in den Vordergrund. Diesen Anspruch erreicht man, indem man uneingeschränkt informiert, aber auch kritisch kommentiert.

Was lieben Sie am meisten in Ihrem Job?
Die Arbeit an einer Fachpublikation - egal, ob es ein Buch, ein kleiner Fachbeitrag oder eine ganze Zeitschrift ist - bietet immer die Möglichkeit, durch objektive Berichterstattung die Innovationen von morgen mitzugestalten. Ich bin ein sehr kreativer Mensch und gestalte sehr gerne. Die telekom praxis ist hierzu das ideale Medium.

Wie kamen Sie dazu als Chefredakteur für telekom praxis zu arbeiten?
Bevor ich die redaktionelle Leitung der telekom praxis übernommen habe, war ich mehr als zehn Jahre als Fachbuchautor und freier Journalist tätig. Meine Frau und ich betreiben seit 1996 ein freies Redaktionsbüro, dessen Dienste Buch- und Zeitschriftenverlage ebenso nutzen und schätzen wie Unternehmen und PR-Agenturen. Der Fachverlag Schiele & Schön aus Berlin trat 2003 an mich heran und bot mir diese Aufgabe an. Mittlerweile sehe ich die telekom praxis - trotz ihres hohen Alters von über 80 Jahren - als eine Art "eigenes Kind" an.

Was war Ihr erster Job?
Ich war unmittelbar nach dem Studium bei einem großen Netzbetreiber im Service für Geschäftskunden tätig. Journalistisch begann ich bereits im Jahr 1990 das erste Fachbuch zum Thema ISDN zu verfassen. Noch vor dem Studium absolvierte ich eine handwerkliche Ausbildung, um mich auch mit dem praktischen Know-how zu versorgen, das meiner Ansicht nach jeder Ingenieur haben sollte.

Wen würden Sie am liebsten einmal treffen?
Zwei Persönlichkeiten beeindrucken mich durch ihre Standhaftigkeit in schwierigen Situationen, ihr diplomatisches Auftreten und ihre Geisteskraft bis ins hohe Alter hinein. Das sind Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Es gäbe noch weit mehr Argumente, die diese beiden Persönlichkeiten als menschliches und moralisches Vorbild qualifizieren.

Wer würden Sie gern für einen Tag sein?
Eine Antwort auf diese Frage zu geben, würde ausdrücken, dass ich mit mir selbst nicht zufrieden bin. Offen gesagt bin ich gerne ich selbst mit allen Vor- und Nachteilen sowie mit allen Ecken und Kanten.